Als Benedikt Breuer am Morgen des 27. Dezember mit dem Fahrrad zu seinem Dienst aufbrach, deutete zunächst nichts darauf hin, dass der Tag anders verlaufen würde als geplant. Der Assistenzarzt der Klinik für Anästhesie und Operative Intensivmedizin war auf dem Weg zu einem 24-Stunden-Dienst im St.-Antonius-Hospital Eschweiler, als er gegen 7.20 Uhr beim Einfahren in die Ortschaft Atsch Brandgeruch wahrnahm.
In der Sebastianusstraße entdeckte er auf der rechten Straßenseite einen brennenden Anbau und hielt sofort an. Auch Michael Schneider, der mit dem Auto vor ihm unterwegs war, stoppte umgehend. Gemeinsam entschieden die beiden, sofort zu helfen.
Nachdem der Notruf abgesetzt war, teilten sie sich auf und informierten die Anwohner der umliegenden Häuser durch Klopfen, Klingeln und laute Rufe. „Es war früh am Morgen, der Tag nach Weihnachten. Viele Menschen haben noch geschlafen“, schildert Benedikt Breuer den Hergang. Durch ihr schnelles Eingreifen konnten die Bewohner rechtzeitig geweckt werden.
Eine eintreffende Polizeistreife unterstützte die beiden Ersthelfer bei der Evakuierung. Besonders am Brandhaus selbst gestaltete sich die Situation schwierig, da dort auch zwei Hunde in Sicherheit gebracht werden mussten. Gemeinsam gelang es, alle Bewohner zügig aus den Häusern zu führen und auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu sammeln. Viele der Betroffenen hatten das Haus in Schlafkleidung verlassen und waren der winterlichen Kälte ausgesetzt. Um sich aufwärmen zu können, wurden sie vorübergehend in einem Polizeifahrzeug untergebracht.
Nach Rücksprache mit dem Einsatzleiter der Feuerwehr verließ Benedikt Breuer gegen 8.15 Uhr die Einsatzstelle und setzte seinen Weg zur Klinik fort. Seinen diensthabenden Kollegen hatte er bereits telefonisch über den Grund seiner Verspätung informiert. „Er reagierte sehr verständnisvoll. Wir haben einen starken Teamgeist in unserer Assistentenschaft“, erklärt er. Dennoch habe er nach dem Eintreffen im Krankenhaus zunächst einen Moment gebraucht, um das Erlebte zu verarbeiten. „Ich musste erst einmal runterkommen. Das Knacken des Feuers ist mir bis heute in Erinnerung geblieben.“
Der Einsatz blieb nicht unbemerkt. Die vor Ort eingesetzten Polizeibeamten berichteten ihrem Vorgesetzten von dem umsichtigen und entschlossenen Handeln der beiden Ersthelfer. Wäre das Feuer auf das Wohnhaus übergegriffen, hätte für die Bewohner akute Lebensgefahr bestanden.
Vor wenigen Tagen wurden Benedikt Breuer und Michael Schneider daher in die Polizeiinspektion 2 in Stolberg eingeladen. Polizeidirektor Kai Jaeckel dankte ihnen bei einem persönlichen Treffen für ihren selbstlosen Einsatz. In würdigem Rahmen bei Kaffee und Kuchen überreichte er ein Dankesschreiben sowie eine Anstecknadel als Zeichen der Anerkennung.
„Positive Beispiele wie dieses zeigen, wie wichtig Aufmerksamkeit und Zivilcourage im Alltag sind“, betonte der Polizeidirektor.
Benedikt Breuer selbst erhielt die Einladung während eines Skiurlaubs – für ihn eine unerwartete und sehr wertschätzende Geste. „Das hat mir sehr viel positive Energie gegeben“, sagt er. Besonders hebt er die gute Zusammenarbeit mit Feuerwehr und Polizei hervor.
Für den Intensivmediziner war der Einsatz außerhalb des Krankenhauses eine Ausnahmesituation. Dass er in diesem Moment handelte, beschreibt er als selbstverständlich. Für die betroffenen Bewohner jedoch war es mehr als das.