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FOCUS-Auszeichnung für Sigrun Rist

Angiologie ist mehr als nur den Schallknopf zu halten

Vergleichsweise jung ist sie, die Angiologie. Die erste Angiologische Klinik weltweit gründete sich spät, und zwar erst nach dem Zweiten Weltkrieg in Darmstadt und erst 1992 erfolgte ihre Angliederung als eigenständiger Teilbereich der Inneren Medizin. Und so wird erklärbar, warum die Angiologie auch erst jetzt Aufnahme im FOCUS-Gesundheitsheft fand – und mit ihr auch die Angiologin Sigrun Rist. Sie zählt nun zu Deutschlands führenden TOP-Experten in dem Fachbereich, seit 2013 ist sie in der Klinik für Innere Medizin des St.-Antonius-Hospitals tätig.

"Ich kathetere so gerne“, gesteht die Fachärztin für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Angiologie, die über die Zusatzqualifikation „Interventionelle Therapie der arteriellen Gefäßerkrankungen“ verfügt. Einfach ausgedrückt bedeutet das: Rist repariert verschlossene Gefäße. „Die Angiologie hat in den letzten 20 Jahren eine Wandlung durchlebt von einem überwiegend konservativ orientierten Fachbereich zu einer medizinisch innovativen und interventionell tätigen, also gezielt eingreifenden Fachdisziplin“, sagt Sigrun Rist.

Angiologie: Mehr als nur Thrombose

Ein Angiologe befasst sich mit Erkrankungen der Gefäße außerhalb des Herzens; und zwar mit der Entstehung und Epidemiologie (Wissenschaftszweig, mit dem man die Häufigkeit und Verteilung der Krankheit untersucht), der Diagnose, mit konservativer und aktiv eingreifender  Therapie, Rehabilitation und Prävention von Erkrankungen der Arterien (wie PAVK oder Schaufensterkrankheit, Erkrankung der Halsschlagadern, Bauchaortenaneurysma), Venen (Thrombose) und Lymphgefäße. Daneben behandelt er chronische Wunden und das Diabetische Fußsyndrom.

Erste Berührungspunkte mit der Angiologie hatte Sigrun Rist in ihrer ärztlichen Weiterbildung in der Kardiologie: „In der Hauptfachabteilung des Knappschaftskrankenhauses Bottrop habe ich meine angiologische Prägung erhalten und später dann meine interventionelle Ausbildung absolviert“, erzählt Rist. „Das Faszinierende an der Angiologie ist die Breite der Gefäßerkrankungen mit sehr guten Möglichkeiten in der Sekundärprävention, Primärbehandlung und Nachsorge. Auch der technische manuelle Teil kommt nicht zu kurz“, so die Angiologin.

Gefäßerkrankungen werden an Bedeutung gewinnen

Die demographischen und epidemiologischen Daten zeigen, dass die Diagnose und Therapie von Gefäßerkrankungen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten an Bedeutung gewinnen werden, wobei zunehmend polymorbide, also vielfach erkrankte Patienten zu behandeln sind. Neben neuen aussagekräftigen bildgebenden Verfahren gibt es heute zahlreiche innovative interventionelle Behandlungsverfahren. „Daher treten zunehmend interdisziplinäre Behandlungsansätze in den Vordergrund. Die Bildung eines Gefäßzentrums ist der richtige Ansatz und die logische Konsequenz. Nicht in der Konkurrenz, sondern in der Kooperation liegen alle Vorteile“, ist sich Sigrun Rist sicher.

Das Euregio-Gefäß-Zentrum ist eine solche Kooperation und ein von der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie (DGG) mit der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA) zertifiziertes multidisziplinäres Gefäßzentrum, welches eine umfassende Patientenversorgung gewährleistet. Hier arbeiten Gefäßchirurgen, Kardiologen, Radiologen und Angiologen Hand in Hand.

Handwerkliches Geschick vonnöten

Durch den Fortschritt in der Medizintechnik ist es für einen Angiologen heute teils einfacher, teils aber auch komplexer geworden, so Rist. „Man braucht heute als Angiologe mehr technisches Verständnis und ‚handwerkliches Geschick‘ als noch vor 20 Jahren – die Disziplin wird immer ‚chirurgischer‘. Gleichzeitig bedeutet der patientenspezifisch maßgeschneiderte Einsatz der modernen Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten eine große Herausforderung in der modernen Gefäßmedizin.“

Die Oberärztin in der Klinik für Innere Medizin freut sich sehr über die FOCUS-Auszeichnung: „Die FOCUS Liste gilt als größte unabhängige Untersuchung deutscher Kliniken und Ärzte und genießt in der Öffentlichkeit ein hohes Ansehen“, sagt Sigrun Rist. Seit über 20 Jahren recherchieren Redakteure des FOCUS-Magazins die führenden Mediziner in Deutschland. Sigrun Rist wurde sowohl von Kollegen als auch von Patienten empfohlen.