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Kinderurologie: Spielerisch-visuelles Therapiekonzept

Unser Foto zeigt (v.l.) : Kontinenz- und Beckenboden-Krankenschwester Erika Dedeas, MFA Yvonne Kohnen, Prof. Dr. Joachim Steffens, MFA Annalena Lischke

Bereits seit Jahren behandeln Prof. Dr. Joachim Steffens und sein Team von der SAH-Klinik für Urologie und Kinderurologie Kinder mit Blasenentleerungs-Störungen. Die häufig auftretenden Symptome sind vor allem Bettnässen, wiederkehrende Harnwegsinfektionen und Verkrampfungen beim Wasserlassen. Dazu Prof. Dr. Steffens: „Durch Rest-Urin entstehen oft Harnwegsinfektionen, die auch Nierenschäden verursachen können. Daher führen wir seit Jahren eine spezielle Verhaltens-Therapie durch, bei der Elektroden zwischen die Beine der jungen Patienten geklebt werden. Mit einem Tablet-PC können die Kinder dann visuell-spielerisch erkennen, dass sie ihren Beckenboden verkrampfen. Ein animierter Wal schwimmt dabei auf der Oberfläche. Wenn der Beckenboden entspannt, taucht der Wal ins tiefere Wasser ab. Unter Anleitung einer spezialisierten Schwester lernen die Kinder so, den Beckenboden zu entkrampfen, damit der Wal abtauchen kann.“

Das Angebot der SAH-Kinderurologie richtet sich an sozial benachteiligte Kinder aus Familien mit oder ohne Migrationshintergrund, die oft auch Schulprobleme haben, in Patchwork-Familien aufwachsen oder von Alleinerziehenden aufgezogen werden. „Aus medizinischer Sicht sind für uns Wasserlassen und richtiges Sitzen nur scheinbare Banalitäten. Für viele Kinder stellt dies aber ein großes Problem dar. Zudem sind bettnässende Kinder in hohem Grade stigmatisiert.“

„Vor der Flut haben wir etwa 3 - 5 Kinder pro Woche mit der beschriebenen Symptomatik gesehen, derzeit werden wir mit etwa der doppelten Menge aus dem gesamten Kreisgebiet Aachen und Düren konfrontiert. Viele Kinder sind gerade nach der jüngsten Flutkatastrophe stark traumatisiert. Durch das Hochwasser ist uns leider die notwendige Hardware für die Therapien abhanden gekommen. Deshalb wurde erst jüngst eine gemeinsame Benefiz-Fahrradaktion mit dem Berufskolleg Stolberg-Simmerath ins Leben gerufen, um neue Hardware beschaffen zu können.“