Europäischer Antibiotika-Tag am 18. November:

Zielgerichteter Einsatz von Antibiotika im St.-Antonius-Hospital

Die Verbreitung von antibiotikaresistenten Keimen betrifft alle Länder unseres Planeten. Die aktuell veröffentlichte Zahl der Infektionen mit resistenten Keimen in der EU hat sich von 2007 bis 2015 fast verdoppelt. Die Prognosen klingen nicht gut für die Zukunft – sofern keine Änderungen vorgenommen werden. Grund genug, inne zu halten und genau hinzuschauen. Das soll mit dem Europäischen Antibiotika-Tag am 18. November geschehen.

Im St.-Antonius-Hospital gibt es seit einem Jahr mit dem „Antibiotika-Stewardship-System“  (ABS) ein Team, das im gesamten Krankenhaus einen zielgerichteten bewussten Umgang mit Antibiotika ermöglichen soll. Es besteht neben Ärzten des SAH aus allen Abteilungen des Hauses aus einer Apothekerin und einem Infektiologen und wurde gemäß des Infektionsschutzgesetzes nach einem Aktionsplan der Bundesregierung auf die Beine gestellt. Ziel ist es, nun nach einem 40-stündig durchlaufenen Kursus den ständigen Austausch zum Verbrauch und der Anwendung von Antibiotika im Hause zu gewährleisten. Die Behandlungsdauer soll reduziert werden, das dient hauptsächlich der Sicherheit der Patienten und senkt gleichsam die Kosten im Gesundheitssystem.

Bei Entzündung der Nasennebenhöhlen kein Antibiotikum nötig!

Erfolgte früher etwa eine Antibiotikagabe 14 Tage lang, so gibt man heute fünf bis maximal sieben Tage Antibiose, so Privatdozent Dr. Dario Frank, Nierenspezialist und stellvertretender ABS-Leiter. Außerdem muss die Antibiotikagabe auf den verursachenden speziellen Keim angepasst sein – und nicht einfach auf gut Glück erfolgen, wie in der Vergangenheit mit Breitbandantibiotika oftmals geschehen. „Gegen Sinusitis, also bei einer Nasennebenhöhlenentzündung, muss man nicht gleich ein Breitbandantibiotikum einnehmen,“ sagt Dr. Frank. „Damit züchten wir genau diese Resistenzen.“  

Antibiotika bekämpfen Bakterien, indem sie diese abtöten oder ihre Vermehrung und ihr Wachstum hemmen. Bakterien sind aber sehr anpassungsfähig und wahre Überlebenskünstler. Sie vermehren sich sehr schnell und in großer Zahl. Dabei können spontan Veränderungen im Erbgut der Bakterien auftreten. Manche dieser Veränderungen lassen Erreger unempfindlich gegenüber Antibiotika werden. Das sind die sogenannten Resistenzen. „Wir laufen Gefahr, keine passenden Antibiotika mehr für bestimmte multiresistente Keime zu haben. Durch einen wohl überlegten Antibiotikaeinsatz können wir diese Resistenzlagen wesentlich verbessern“, sagt Dr. Dario Frank. 

Viele Patienten kommen schon mit resistenten Keimen ins Krankenhaus 

Antibiotika-Resistenzen entstehen vor allem, weil Antibiotika nicht richtig angewendet werden. So werden Antibiotika leider immer noch bei Infektionen mit Viren eingesetzt, obwohl sie dort unwirksam sind, weil sie nur Bakterien abtöten können. Zudem tragen die Veterinärmedizin und die Landwirtschaft zur Aufnahme von resistenten Keimen in den Menschen bei – durch Düngung der Felder und Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung. ABS-Leitungsarzt Witalij Nisamutdinoff ergänzt: „Die Veterinärmedizin verbraucht im Jahr 1500 Tonnen – die Humanmedizin dagegen 500 bis 600 Tonnen. Von diesen 500 bis 600 Tonnen der verabreichten Antibiotika in der Humanmedizin werden 85 Prozent ambulant verordnet, so der GERMAP 2015.“ Viele Patienten kommen bereits mit resistenten Keimen ins Krankenhaus und erfahren es erst dort, erklärt Nisamutdinoff.

Ein weiteres großes Problem will das ABS-Team im St.-Antonius-Hospital verhindern: die Chlostridien-Enterokolitis, also die Entzündung des Dünn- und Dickdarms, als schwerwiegende Komplikation einer Antibiotikatherapie. Antibiotika töten nicht nur die schlechten Keime, sondern auch die guten im Darm. Sind die guten normalen Darmkeime reduziert, können sie den Keim Chlostridium Difficile nicht mehr in Schach halten. Dann kann der gefährliche Keim den Darm schädigen: mit Durchfällen, Bauchkrämpfen, Fieber und aufgeblähtem Bauch bis hin zur Blutvergiftung. 

Deutschland ist noch gut aufgestellt

Was tun? Das ABS-Team hat entsprechende Standards erarbeitet, um einen zielgerichteten Umgang im Hospital zu implantieren. Dazu gehört etwa die Antibiotika-Visite. Diese ist eine regelmäßige Kurvenvisite aller Patienten hinsichtlich des Einsatzes von Antibiotika im St.-Antonius-Hospital. Die Bundesregierung fordert seit langem nach einem bewussteren Umgang mit dem Einsatz von Antibiotikum, so Dr. Frank. „Mit unserer ABS-Gruppe sind wir definitiv Vorreiter, nach der Uniklinik Aachen.“

Deutschland ist vergleichsweise gut aufgestellt, beruhigen die beiden Mediziner: „Die Resistenzrate bei uns ist im Vergleich mit Ländern wie Griechenland, Spanien oder Türkei gut,“ so Nisamutdinoff. Trotzdem ist auch weiterhin Sensibilität von Nöten. Die beiden Leiter des ABS-Teams würden übrigens Antibiotika selbst nur dann einnehmen, wenn eine schwere Erkrankung vorliegt: bei einer Lungenentzündung oder Blutvergiftung.

Die WHO ruft zu einer ganzen Woche Sensibilität für das Thema auf mit einer Antibiotikawoche vom 12. bis 18. November.

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