Großübung 2012

Gemeinsame Übung
der Feuerwehr Eschweiler und des Traumazentrums


Mediziner und Rettungskräfte proben den Ernstfall

 

Die jährlich 35000 Schwerverletzten in Deutschland sollen an jedem Ort, zu jeder Stunde und an 365 Tagen im Jahr die gleiche Überlebenschance haben, so die Initiative TraumaNetzwerk® der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie. Im Rahmen dieser Initiative wurden deutschlandweit 53 TraumaNetzwerke® gegründet. In den Netzwerken sind 864 Kliniken strukturiert verbunden. Die Aufgabe des jeweiligen regionalen Netzwerkes ist es, die Ressourcen der einzelnen Krankenhäuser optimal zu nutzen, um die bestmögliche Patientenversorgung zu gewährleisten.

Für die Versorgung in unserer Region zeichnet das TraumaNetzwerk®EURegioAachen verantwortlich. Als eines von 6 Netzwerken in Deutschland arbeiten wir grenzübergreifend mit unseren niederländischen Partnern zusammen, so Oberarzt Jochem Quickstedt vom Leitungsteam des Traumazentrums am St.-Antonius-Hospital Eschweiler. Das St.-Antonius-Hospital Eschweiler ist als regionales Traumazentrum zertifiziert, d. h. zu jeder Zeit muss ein Schwerverletzter in der Klinik versorgt werden können. Die strukturellen, technischen und personellen Änderungen zur Erfüllung der Anforderungen sind bereits im Jahr 2010 umgesetzt worden, weiß Oberarzt Dr. Oliver Heiber zu berichten: “Jetzt geht es darum, die bereits sehr guten Prozesse der Rettung und Erstbehandlung durch die Feuerwehr und die Notärzte mit den internen Prozessen des Krankenhauses zu verzahnen.“

Am Samstag, den 10. November, war es nach dreimonatiger Vorbereitung soweit. Die Feuerwehr  Eschweiler, die Notärzte, die Anästhesisten und die Unfallchirurgen des St.-Antonius-Hospitals Eschweiler traten zur gemeinsamen Übung an. Da die meisten der 35000 Schwerverletzten Opfer von Verkehrsunfällen sind, wurden für die Übung drei Szenarien mit PKW-Unfällen entwickelt. Die Schrottfahrzeuge waren so präpariert, dass die Rettung der Unfallopfer, wie nach einem realen Unfall, sehr schwierig war. Die Türen der Autos waren verklemmt, ein Kombi lag sogar auf dem Dach.

Nach Freigabe durch den Übungsleiter erfolgte zunächst die Alarmierung der Feuerwehr. Wie bei einem realen Einsatz fuhren fünf Einsatzfahrzeuge an der Unfallstelle vor, sicherten diese und begannen mit der Rettung. Notarzt und Feuerwehr kümmerten sich gemeinsam um die Unfallopfer. Die perfekt von Herrn Jens Wynands mit Verletzungen geschminkten, stöhnenden und schreienden Opfer sorgten für ein realistisches Bild. Der empfundene Zeitdruck war wie bei einem echten Einsatz, so Frau Dr. Theresa Kaminski, Übungsleiterin für die Rettung.

Das Öffnen der Autos mit hydraulischen Scheren und Spreizern, das Herausschneiden von Türen und Dächern war in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit besonders beeindruckend, meinte Joachim Kexel, Chirurg und Unfallchirurg. Der Transport des Unfallopfers erfolgte unter Notarztbegleitung mit dem Rettungswagen. Ein wichtiger Aspekt für die reibungslose Übergabe des Patienten im Krankenhaus ist eine gemeinsame Sprache der beteiligten Einsatzkräfte, dies ist Rolf Overs-Frerker, leitender Notarzt und Anästhesist, ein besonderes Anliegen. Overs-Frerker hat diese Grundlagen schon vorher theoretisch geschult und war Initiator und Planer der Übung.

Die Ankündigung des Patienten im Schockraum des Krankenhauses erfolgte in allen drei Szenarien reibungslos. Die Grundlage der Verständigung ist das ABCDE-Schema nach ATLS®. Die Übermittlung der Befunde richtet sich nach der Schwere der Verletzung und der sich ergebenden vitalen Bedrohung für den Patienten.

In der Fahrzeughalle der Feuer- und Rettungswache war ein Schockraum aufgebaut, da die stetige Einsatzbereitschaft des Schockraumes im St.-Antonius-Hospital eine solche Übung nicht zulässt. Der Patient wurde vom Notarzt an das Schockraumteam übergeben und  weiter diagnostiziert und behandelt.

Insgesamt war die gemeinsame Übung ein großer Erfolg, so Paul Velten-Christopher, der als stellvertretender Dienststellenleiter der Feuer- und Rettungswache Eschweiler den erkrankten Brandamtsrat Axel Johnen vertrat. Die Demonstration der Rettungstechniken, ein Einblick in die Strukturen der Feuerwehr und des Krankenhauses, sowie die Steigerung des Verständnisses für die Arbeit der jeweiligen Berufsgruppen sind wichtige Aspekte dieser Übung, sagten Marcel Krott und Christian Haake. Beide planten die Szenarien auf Seiten der Feuerwehr.

Am Ende des Tages konnte beim gemeinsamen Grillen das Erlebte besprochen werden. Die Bewertung durch die Teilnehmer ergab die Forderung nach einer jährlichen Wiederholung. Paul Velten-Christopher fasste abschließend zusammen: „Heute haben alle voneinander gelernt, diese positive Atmosphäre wollen wir bewahren und in jährlichen Übungen ausbauen. Bei der nächsten Übung werden wir auch einen Zuschauerbereich für Interessierte einrichten.“

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