Ablauf im EBZ

Brustsprechstunde

Zur Abklärung eines Verdachtsbefundes der Brust können Sie von Ihrer Gynäkologin/Ihrem Gynäkologen ambulant in die Brustsprechstunde des EBZ überwiesen werden. Die Brustsprechstunde wird (wie auch die weiteren Abläufe der Behandlung) von einem speziell geschulten ärztlichen Kernteam durchgeführt.

Termine erhalten Sie nach vorheriger telefonischer Anmeldung zu (Tel. 02403/76-1236)

 

 

Die diagnostische Abklärung in der Brustsprechstunde beinhaltet:

  • die klinische Untersuchung (Sicht- und Tastuntersuchung der Brust und Achselhöhle)
  • die Mamma-Sonographie (Ultraschall)
  • ggf. die Veranlassung einer Mammographie und/oder weiterer bildgebender Verfahren wie z.B. MRT (Magnetresonanztomographie, Kernspintomographie)
  • die Zweitbefundung
  • die Gewebeprobe-Entnahme mittels aller derzeit etablierten Verfahren (z.B. radiologisch und sonographisch gesteuerte Vakuum- und Stanzbiopsie)
  • die histologische bzw. zytologische Untersuchung durch den Pathologen

Diagnostik (Biopsie):

Unter einer Biopsie versteht man die Entnahme einer Gewebeprobe aus dem verdächtigen Brustgewebe. Dies erfolgt ambulant in lokaler Betäubung im Rahmen der Sprechstunde oder an einem anderen vereinbarten Termin. Die Gewebeproben werden von einem Pathologen mikroskopisch untersucht, und wir erhalten innerhalb von spätestens 2 Tagen das Ergebnis, ob es sich um einen gutartigen oder einen bösartigen Befund handelt.

Die Biopsie ist ein sehr sicheres, risikoarmes Untersuchungsverfahren, bei dem auch keine Tumorzellen "verschleppt" werden können.

Heutzutage wird bis auf wenige Ausnahmen jeder verdächtige Herdbefund vor einer Operation durch eine Biopsie abgeklärt. Dies hat den Vorteil, dass man bei gutartigen Befunden unnötige Operationen vermeiden und bei bösartigen Befunden eine notwendige Operation besser planen kann. Desweiteren hat man dadurch die Möglichkeit, schonendere Operationsverfahren (z.B. im Bereich der Achselhöhle, Sentinel-node-Technik) anzuwenden.

Befundgespräch und Aufnahme

Liegt das feingewebliche Ergebnis aus der Biopsie vor, wird Ihre Situation in der präoperativen Tumorkonferenz vorgestellt und besprochen. Es wird eine Empfehlung für das weitere Vorgehen gegeben.

In der Brustsprechstunde besprechen wir nach Sicherung des Befundes gemeinsam mit Ihnen das weitere Vorgehen.

Um den ersten Schrecken und die Angst überwinden zu können, haben Sie und Ihre Angehörigen die Möglichkeit, im Vorfeld Hilfe und Unterstützung durch ein Gespräch mit unseren Gynäkologen, unserer Psychoonkologin und/oder mit unserer „Breast nurse“ zu führen.

Unser Ziel ist es, zeitnah einen Operationstermin zu vergeben. Aber es ist auch wichtig zu wissen: Brustkrebs ist kein Notfall und verschlechtert sich nicht über Nacht. Es ist deshalb vielmehr sinnvoll, vor einer Operation Zusatzuntersuchungen (z.B. von Lunge, Leber und Knochen) zu veranlassen und die Operation durch richtige Vorbereitung optimal durchzuführen.

Die stationäre Aufnahme erfolgt auf die Station 4A oder 4B.

Neoadjuvante (primär systemische) Chemotherapie (Chemotherapie vor einer geplanten Operation)

Fast immer ist die Operation der erste Behandlungsschritt bei Brustkrebs. In einigen Fällen kann es jedoch sinnvoll sein, vor einer Operation eine Chemotherapie durchzuführen. Dies ist z.B. der Fall bei größeren Tumoren, um diese Tumore vor der Operation zu verkleinern und so eine brusterhaltende Operation möglich zu machen. Dies ist ebenso der Fall, wenn man schon im Vorfeld absehen kann, dass eine Chemotherapie nach der Operation sinnvoll ist. Ein weiterer Vorteil der neoadjuvanten Chemotherapie ist die Möglichkeit, anhand des Ansprechens (Kleinerwerden) des Tumors zu erkennen, ob die angewandte Chemotherapie auch „die Richtige“ für den Tumor ist.

Operation

Bei der Operation stehen brusterhaltende Operationsverfahren im Vordergrund. Ziel ist es, den bösartigen Tumor mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand zum gesunden Gewebe vollständig zu entfernen.

In bestimmten Fällen ist eine brusterhaltende Operation nicht möglich (z.B. bei Tumoren in verschiedenen Bereichen der Brust oder bei sehr großen Tumoren), so dass die Brust vollständig entfernt werden muss (Ablatio oder Mastektomie).

Es stehen verschiedene Möglichkeiten des Brustwiederaufbaus zur Verfügung: die sofortige oder die spätere Rekonstruktion, die Verwendung von Eigengewebe oder Prothesen. Eine dahingehende Beratung wird Ihnen unter Hinzuziehen der Plastischen Chirurgen geboten.

Bei Brustkrebs ist es von besonderer Bedeutung, die Lymphknoten der Achselhöhle auf einen eventuellen Tumorbefall zu untersuchen, da diese Information sehr wichtig ist zur Abschätzung der Ausbreitung der Erkrankung. Während man früher eine große Zahl von Lymphknoten entfernen musste, um diese Information zu erhalten, und man viele Frauen bei tumorfreien Lymphknoten unnötigerweise so radikal operiert hat, steht uns heute eine schonendere Operationstechnik zur Verfügung. Wir können am Tag vor der Operation den sog. „Wächter-Lymphknoten“ (Sentinel-Lymphknoten) radioaktiv markieren. Der Wächter-Lymphknoten ist der erste Lymphknoten der Achselhöhle, der die Lymphe aus der Brust und damit auch eventuell darin befindliche Krebszellen aufnimmt und filtert. Während der Operation wird der Wächter-Lymphknoten im Schnellschnitt-Verfahren untersucht. Ist er frei von Krebszellen, müssen die anderen Lymphknoten der Achselhöhle nicht entfernt werden, da der Wächter-Lymphknoten repräsentativ für sämtliche Lymphknoten der Achselhöhle steht.

Der stationäre Aufenthalt nach der Operation beträgt drei bis fünf Tage je nach Verlauf der Wundheilung. In dieser Zeit werden Sie betreut von den Pflegekräften und den Stationsärzten. Begleitend haben Sie die Möglichkeit eines Kontaktes mit der „breast nurse“, der Psychoonkologin, der Physiotherapie, dem Sozialdienst und ggf. des Sanitätshauses.

Tumorkonferenz

siehe  „Tumorkonferenz“

Adjuvante Therapie (Anschlusstherapie)

Unter adjuvanter Therapie versteht man die weitere Therapie im Anschluss an eine erfolgte Operation. Nach Festlegung des Therapiekonzeptes in der Tumorkonferenz führen wir erneut ein Gespräch mit Ihnen. Hierbei klären wir Sie über die Eigenschaften Ihres Tumors und über die für Sie in Frage kommenden Therapiemöglichkeiten auf.

Die Art der Therapie hängt von verschiedenen Faktoren ab: von der Größe des Tumors, seiner Aggressivität, vom Lymphknotenstatus, vom Ansprechen des Tumors auf Hormone und Antikörper, usw. Diese Faktoren geben uns einen Anhalt für Ihr persönliches Rückfallrisiko.

Unter Berücksichtigung Ihres Allgemeinzustandes und Ihrer Wünsche entscheiden Sie nach Erhalt aller notwendigen Informationen gemeinsam mit uns über die weitere Therapie.

Man unterscheidet generell zwei Arten von Therapie: eine lokale Therapie, die nur auf einen bestimmten Körperbereich wirkt (wie z.B. die Strahlentherapie) von einer systemischen, d.h. auf den gesamten Körper wirkende Therapie (wie z.B. die Chemotherapie, Antikörpertherapie und antihormonelle Therapie)

Strahlentherapie

Bei Brustkrebs wurde früher bei den betroffenen Frauen eine Brustamputation vorgenommen. In den letzten Jahren zeigte sich jedoch, dass die Heilungsergebnisse der brusterhaltenden Therapie bei Tumoren, die eine bestimmte Größe nicht überschreiten, genauso gut sind wie die der "radikalen" Brustamputation. Voraussetzung ist jedoch, dass die operierte Brust nachbestrahlt wird.

Nach einer brusterhaltenden Operation empfehlen wir eine Bestrahlung der operierten Brust. Ziel der Bestrahlung ist es, eventuell noch vorhandene Brustkrebszellen zu zerstören, damit es nicht zu einem Wiederauftreten des Brustkrebses in der operierten Brust kommt. In gewissen Fällen kann es auch notwendig sein, nach Entfernung der Brust die Brustwand und/oder die Achselhöhle zu bestrahlen.

Die Strahlentherapie kann ambulant in der Praxis für Strahlentherapie am St.-Antonius-Hospital durchgeführt werden. Sie erstreckt sich meist über einen Zeitraum von 6 Wochen.

Zur Besprechung und Planung der Strahlentherapie wird ein Termin in der Sprechstunde der Praxis vereinbart.

Chemotherapie

Die Chemotherapie mit Zytostatika (= zellteilungshemmende Medikamente) gehört zur systemischen Therapie des Brustkrebs, d.h. das Medikament gelangt über den Blutkreislauf in alle Bereiche des Körpers. Hintergrund dessen ist die Fähigkeit der Krebszellen, sich aus dem Tumor lösen zu können und über die Lymphgefäße und Blutgefäße in den gesamten Körper zu gelangen. Setzen sich die Tumorzellen an bestimmten Organen (z.B. Leber, Lunge, Knochen) fest, so spricht man von Metastasen.

Die Gabe einer Chemotherapie ist in solchen Fällen sinnvoll, wo ein erhöhtes Risiko für das Vorhandensein von Tumorzellen im Blut und somit ein erhöhtes Metastasierungsrisiko besteht. Dies ist z.B. der Fall bei großem Tumor, Nachweis von Lymphknotenbefall in der Achselhöhle, bei negativem Ansprechen der Tumorzellen auf Hormone, bei jungen Frauen und bei sehr aggressiven (sich schnell teilenden) Tumoren.

Die Empfehlung zu einer Chemotherapie wird für jede Patientin individuell in der Tumorkonferenz diskutiert. Neben den Charakteristika des Tumors werden auch das Alter und der Allgemeinzustand der Patientin berücksichtigt. Denn: die Nebenwirkungen der Chemotherapie müssen für die Patientin zumutbar sein, und wir müssen uns immer fragen, ob der zu erwartende Nutzen die zu erwartenden Nebenwirkungen rechtfertigt.

Wirkung der Chemotherapie:

Die Chemotherapie greift vor allem Zellen an, die sich in Teilung befinden. Da die Tumorzellen sich in der Regel schnell teilen, werden vor allem sie angegriffen. Aber im Körper befinden sich auch gesunde Zellen in Teilung, und durch den Einfluss der Chemotherapie auf diese Zellen entstehen die sogenannten Nebenwirkungen.

Die häufigsten Nebenwirkungen betreffen das blutbildende System, den Magen-Darm-Trakt, die Haare und Nägel sowie das Nervensystem.

Die Nebenwirkungen gehen in der Regel nach Absetzen der Chemotherapie wieder zurück. Sie treten nicht zwangsläufig auf und sind von der Art des Zytostatikums abhängig.

Man kann durch Verabreichung von unterstützenden Medikamenten den Nebenwirkungen der Chemotherapie vorbeugen. Treten sie trotzdem auf, gibt es heute eine Reihe von Möglichkeiten, die Auswirkungen zu verringern.

Ablauf der Chemotherapie:

Die Chemotherapie beginnt meist 3-4 Wochen nach der Operation. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, welche Zytostatika gegeben werden und in welchen Abständen dies geschieht. Meist besteht eine Chemotherapie aus einer Kombination von mehreren Zytostatika und wird in 6 Zyklen verabreicht, d.h. die Zytostatika-Kombination wird an einem Tag ambulant über mehrere Stunden gegeben, dann folgt eine Pause von 3 Wochen bis zum nächsten Zyklus.

· Antikörper-Therapie

20-30% aller Brustkrebszellen weisen auf ihrer Oberfläche eine Struktur auf, die man HER-2-Rezeptor nennt. Dieser Rezeptor ist wichtig, um der Zelle ein Signal zur Zellteilung zu übermitteln. Der HER-2-Rezeptor-Status wird von dem Pathologen an den Proben aus dem Brusttumor bestimmt. Findet er eine definierte Anzahl dieser Rezeptoren, so spricht man von HER-2-positiven Brustkrebszellen.

Nur bei HER-2-positiven Patientinnen ist es sinnvoll, Medikamente zu geben, welche an den HER-2-Rezeptor binden. Diese Medikamente sind Antikörper. Durch die Bindung der Antikörper an den HER-2-Rezeptor wird dieser Rezeptor und damit das Zellwachstum blockiert, gleichzeitig erkennt das körpereigene Abwehrsystem die Tumorzelle als „fremd“ und zerstört sie.

Die Antikörpertherapie wird in Kombination mit einer Chemotherapie über die Venen verabreicht.

· Antihormonelle Therapie

60- 80% aller Brustkrebszellen weisen auf ihrer Oberfläche Strukturen auf, die man „Hormonrezeptoren“ nennt. Rezeptoren sind wie eine Art Schloss gebaut, auf das Hormone (hier speziell Östrogene und Progesteron) wie ein Schlüssel passen. Die Information, ob Hormonrezeptoren vorhanden sind, erhalten wir durch die histologische Untersuchung des Pathologen.

Wichtig zu wissen ist, dass Brustkrebszellen auf die Hormone Östrogen und Progesteron mit Wachstum reagieren.

Es liegt nahe, die Wirkung des Östrogens auf die Brustkrebszellen durch eine antihormonelle Therapie (endokrine Therapie) auszuschalten. Dafür stehen Medikamente zur Verfügung, die auf unterschiedliche Weise die Östrogenwirkung auf die Zelle verhindern:

  • Anti-Östrogene (z.B. Tamoxifen): ist ein Gegenspieler des Östrogens. Es bindet an den gleichen Rezeptor wie Östrogen, löst aber an der Brustkrebszelle keine entsprechende Wirkung aus. Es „besetzt“ den Platz des Östrogens und verhindert dadurch seine Bindung.

  • Aromatasehemmer: verhindern, dass sich Östrogen aus seinen chemischen Vorstufen bildet. Östrogen entsteht in den Eierstöcken, den Nebennieren und im Fettgewebe. In den Zellen dieser Organe befindet sich ein Enzym namens „Aromatase“, das aus Vorläufer-Molekülen Östrogen herstellt. Medikamente, die die Aromatase hemmen, heißen Aromatasehemmer und liegen zur Zeit in 3 Produkten vor: Anastrozol, Letrozol, Exemestan

  • GnRH-Analoga: die Ausschüttung von Östrogenen aus den Eierstöcken erfolgt bei Frauen, die sich noch vor den Wechseljahren befinden, über einen Regelkreis, der vom Gehirn gesteuert wird. GnRH-Analoga sind Medikamente, die wie ein Hormon aus einem speziellen Teil des Zwischenhirns wirken und den Impuls des Gehirns auf die Eierstöcke hemmen.

Welche Antihormon-Behandlung für Sie in Frage kommt, hängt von Ihren persönlichen Voraussetzungen ab, zum Beispiel davon, ob Sie vor oder nach Eintritt der Wechseljahre an Brustkrebs erkrankt sind, wie hoch Ihr Rückfallrisiko ist, ob bzw. welche Begleiterkrankungen bei Ihnen vorliegen und ob bzw. wie viele und welche Organe mit betroffen sind.

Meist erstreckt sich eine antihormonelle Therapie über 5 Jahre mit der Einnahme von täglich einer Tablette. Das Antihormonpräparat soll immer im Anschluss an eine eventuelle Chemotherapie eingenommen werden. Es kann während oder nach einer eventuellen Strahlentherapie eingenommen werden.

Nebenwirkungen der antihormonellen Therapie:

Die relativ geringen Nebenwirkungen der antihormonellen Therapie im Vergleich zur Chemotherapie hängen hauptsächlich mit dem Fehlen von Östrogenen zusammen und äußern sich als Hitzewallungen, Herzrasen, trockene Schleimhäute, Gelenkbeschwerden, u.a.

Regelmäßige Kontrollen der Gebärmutter sind erforderlich bei der Einnahme von Tamoxifen und der Knochendichte bei der Einnahme von Aromatasehemmern.

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