Regional- und Lokalanästhesie (Teilnarkose)

Viele Operationen können auch in Teilnarkose durchgeführt werden, ohne dass eine Vollnarkose notwendig ist. Bei einigen bietet sich die Kombination mit einer Vollnarkose an, nicht zuletzt zur Fortführung der Schmerztherapie nach einer Operation.

Auch die Kombination einzelner regionalanästhetischer Verfahren ist durchaus sinnvoll und wird angewendet.

Der Anteil der Regionalanästhesien in unserem Hause beträgt etwa 42 %, wobei ein Teil dieser Verfahren in Kombination mit einer Allgemeinanästhesie durchgeführt wird.

Bei den Regionalanästhesien möchten wir die in unserem Hause am häufigsten angewendeten Verfahren kurz erklären.

Es wird zwischen den sog. Blockaden von peripheren Nerven (Nerven, die etwas weiter vom Körperstamm entfernt sind) und den sogenannten  rückenmarksnahen Verfahren wie Spinal- oder Periduralanästhesie unterschieden.

Die Punkte 1. bis 4. zeigen die Blockaden der peripheren Nerven, die Punkte 5. und 6. die rückenmarksnahen Verfahren:

Axilläre Plexusanästhesie (Betäubung des Armes in der Achselhöhle)

© J. Büttner, G. Meier, Kompendium der peripheren Regionalblockaden, Arcis Verlag GmbH, München 2002

Axilläre Plexusanästhesie
(Betäubung des Armes in der Achselhöhle)

Dieses Verfahren findet sehr häufig Anwendung in unserem Hospital, da es von der Durchführung  einfach und ohne große Risiken und Nebenwirkungen ist.

Für Operationen von der Hand bis hin zum Ellenbogen können operative Eingriffe in diesem Verfahren durchgeführt werden, was in der Plastischen- und Handchirurgie aber auch in der Unfallchirurgie sehr häufig der Fall ist.

Es wird eine bestimmte Menge Lokalanästhetikum mit einer speziellen Kanüle in die Nähe eines Nervengeflechtes (Plexus) in der Achselhöhle verabreicht. Nach etwa 20 bis 30 Minuten ist der Arm komplett betäubt, so dass der Eingriff schmerzfrei durchgeführt werden kann. Diese Form der Narkose hält etwa drei bis vier Stunden an, so dass der Arm auch über die OP Zeit hinaus betäubt ist.

Dieses Verfahren gibt es auch als sog. Katheter Verfahren. Dazu wird ein dünner, weicher Kunststoffschlauch in die Nähe des Nervengeflechtes (Plexus) in der Achselhöhle gelegt, der dort einige Tage verbleiben kann. An diesen Schlauch wird dann eine Schmerzmittelpumpe angeschlossen, die kontinuierlich eine bestimmte Menge eines Lokalanästhetikums abgibt. Diese Form hat sich z. B. zur schmerzarmen Krankengymnastik bei Patienten mit Morbus Sudeck (CRPS) bewährt.

Interskalenäre Plexusanästhesie (Betäubung der Schulter am Hals)

© J. Büttner, G. Meier, Kompendium der peripheren Regionalblockaden, Arcis Verlag GmbH, München 2002

Interskalenäre Plexusanästhesie
(Betäubung der Schulter am Hals)

Dieses Verfahren führen wir ausschließlich in Verbindung mit einer Vollnarkose durch. Operationen an der Schulter, am Schlüsselbein oder am Oberarm sind Einsatzmöglichkeiten für diese Technik. Über eine kleine dünne Kanüle wird ein Lokalanästhetikum zwischen zwei Muskeln am Hals in die Nähe eines Nervengeflechtes (Plexus) verabreicht und die Nadel gleich danach wieder entfernt. Die betäubende Wirkung setzt relativ schnell ein und hält in der Regel weit über die Narkose hinaus an, so dass Sie auch nach der Operation davon profitieren.
Darüber hinaus reduziert sich der Bedarf an Schmerzmitteln während der Vollnarkose dadurch erheblich.

Inguinale Nervus Femoralis Block bzw. 3 in 1 Blockade (nach Winnie)

© J. Büttner, G. Meier, Kompendium der peripheren Regionalblockaden, Arcis Verlag GmbH, München 2002

Inguinale Nervus Femoralis Block bzw. 3 in 1 Blockade (nach Winnie)

Eine Blockade des Leistennerven (Nervus Femoralis) führen wir ebenfalls relativ häufig durch. Er wird z. B. eingesetzt zur Wundversorgung an der Vorderseite des Oberschenkels, zur Schmerztherapie bei Oberschenkel oder Schenkelhalsbrüchen oder bei der Mobilisation nach solchen Frakturen.

Diese Blockade ist ebenfalls relativ leicht durchzuführen und arm an Risiken und Nebenwirkungen.

Es wird eine bestimmte Menge an örtlichem Betäubungsmittel mit Hilfe einer speziellen Kanüle in die Nähe des Leistennerven gebracht, der die Schmerzen im Bereich des vorderen und seitlichen Oberschenkels blockiert.

In Verbindung mit der sog. Anterioren Nervus Ischiadicus Blockade, die im nächsten Punkt beschrieben wird, ist er als Katheterverfahren sehr gut zur postoperativen Schmerztherapie geeignet. Anwendung finden diese Schmerztherapieverfahren besonders bei Operationen, bei denen eine Kniegelenksprothese eingesetzt werden muss. Dieses Verfahren kann darüber hinaus mit einer Vollnarkose oder rückenmarksnahen Anästhesie kombiniert werden.

Anteriore Nervus Ischiadicus Blockade (Vordere Ischias Blockade)

© J. Büttner, G. Meier, Kompendium der peripheren Regionalblockaden, Arcis Verlag GmbH, München 2002

Anteriore Nervus Ischiadicus Blockade (Vordere Ischias Blockade)

Die vordere Blockade des Ischiasnerven muss mit Hilfe eines sog. Nervenstimulators durchgeführt werden, um eine korrekte Betäubung zu erreichen. Dazu wird die Betäubungsnadel mit einem Stimulationsgerät verbunden, dass niedrige Stromimpulse aussendet. Anhand der so ausgelösten Muskelzuckungen kann der Anästhesist erkennen, dass er an der richtigen Stelle ist und dort das örtliche Betäubungsmittel einsetzen bzw. den Katheter platzieren. Diese Technik wird bei uns als Katheter-Verfahren in Verbindung mit dem in 3. beschriebenen Nervus Femoralis Block bei Kniegelenksersatz Operationen eingesetzt und anschließend zur Schmerztherapie fortgeführt. Diese Methode gilt zur zeit als Verfahren der Wahl bei diesen Eingriffen in Verbindung mit einer Vollnarkose oder einer rückenmarksnahen Anästhesie.

Spinalanästhesie (SPA)

Die Spinalanästhesie gehört wie die Periduralanästhesie zu den rückenmarksnahen Verfahren, mit dem Rückenmark selbst kommt man nicht in Berührung. Beim erwachsenen Menschen endet das Rückenmark (RM) in Höhe des 2. Lendenwirbelkörpers (LWK).

Die Narkose wird zwischen dem 3. und 4. bzw. zwischen dem 4. und 5. LWK angelegt (siehe Abb. 1).

Es kann bei  Operationen im Unterbauch und an den Beinen angewendet werden.
Beim sitzenden Patienten sticht man mit einer sehr dünnen Nadel zwischen zwei Knochen der Wirbelsäule, die man im Rücken tasten kann. So gelangt man in den den Rückenmarkskanal, der im Wirbelsäulenkanal liegt.

In den Rückenmarkskanal verabreicht man nun eine kleine Menge Lokalänesthetikum, das sich dort mit der Flüssigkeit vermischt, die Schmerzfasern direkt betäubt und eine vorübergehende komplette Blockade(Bewegung, Sensibilität, Schmerz) bewirkt.                                                                                                                                          Bereits nach wenigen Minuten kann mit der Vorbereitung für den Eingriff begonnen werden. Zusätzlich geben wir bei diesem Verfahren häufig noch ein Medikament zur Beruhigung, so dass ein „Dämmerschlaf“ eintritt und die Patienten nichts von der Operation mitbekommen.

Periduralanästhesie (PDA)

Die sog. Periduralanästhesie (PDA), auch Epiduralanästhesie genannt, gehört wie die Spinalanästhesie (SPA) zu den rückenmarksnahen Regionalanästhesien. Hier wird im Gegensatz zur SPA nicht der Rückenmarkskanal aufgesucht, sondern das Lokalanästhetikum wird in die Umgebung des Kanals in den Periduralraum (peri = um etw. herum; dura = harte Haut, die den Rückenmarkskanal umhüllt) verabreicht. Es besteht auch die Möglichkeit dort einen Katheter (weicher Kunststoffschlauch) zu platzieren, über den Schmerzmittel sowohl in Einzelgaben als auch in kontinuierlicher Form verabreicht werden können.

Das Legen dieses Katheters ist schmerzarm, weil es in örtlicher Betäubung durchgeführt wird (siehe Abb. 1 - 3).

Zunächst werden die Haut und das darunter liegende Gewebe mit einem örtlichen Betäubungsmittel narkotisiert (Abb. 1), anschließend über eine Führungskanüle der Kunststoffschlauch gelegt (Abb. 2). Ist er an der richtigen Stelle platziert, wird die Kanüle über den liegenden Schlauch (PDK) zurückgezogen und es bleibt nur der Kunststoffschlauch liegen (Abb. 3).

An diesen wird nun ein kleiner Filter angeschlossen, um Verunreinigungen durch Keime zu vermeiden. Abschließend wird der Schlauch noch mit Pflasterstreifen festgeklebt, damit er nicht verrutschen kann.
Der Schlauch ist so lang, dass er bis über die Schulter gelegt und dort fixiert werden kann. Beim Liegen auf dem Rücken macht er keine Beschwerden, da er ganz weich ist.

Dieses Verfahren wird üblicherweise in Kombination mit einer Vollnarkose bei großen Bauchoperationen oder bei Eingriffen im Brustkorb angewendet. Dort wird es auch anschließend zur postoperativen Schmerztherapie benutzt.

Seite durchsuchen:
St.-Antonius-Hospital

Akademisches Lehrkrankenhaus der RWTH Aachen

Klinik für Anästhesie und Operative Intensivmedizin

Chefarzt
Priv.-Doz. Dr. med. Michael Dück, DEAA


Dechant-Deckers-Str. 8
52249 Eschweiler

02403 76 -1291

02403 76 -1891

 
St.-Antonius-Hospital Eschweiler
Dechant-Deckers-Str. 8
52249 Eschweiler
Tel.: 02403 76 - 0
Fax: 02403 76 -1119