Chirurgische Feinarbeit gegen Tumor und Falten
Noch im 16. Jahrhundert wurden Plastische Chirurgen in ungeweihter Erde verscharrt, wenn sie, entgegen dem Zeitgeist, ihre Erfahrung mit der Korrektur von Gewebsverletzungen im Gesicht veröffentlichten. So erging es vermutlich zuletzt dem Anatom und Chirurgen Tagliacocci aus Bologna, in dessen OP-Lehre es hieß: „Wir bauen auf und stellen wieder her und machen ganze Teile des Gesichtes, die die Natur gegeben und das Schicksal fortgenommen haben, nicht nur zur Freude des Auges, sondern um den Geist aufzurichten und der Seele des Betroffenen zu helfen.“
Die rd. 380 Jahre später am St.-Antonius-Hospital neu gegründete Klinik für Plastische Chirurgie blühte unter dem neuen Zeitgeist und der Leitung von Dr. Reinhard Achinger schnell auf. Für die spezifischen Verletzungen der Hand und der Körperoberfläche, als häufige Folge zunehmender Technisierung und Industrialisierung stand eine adäquate Versorgung zur Verfügung. Spektakuläre Replantationen in den Anfangsjahren der Mikrochirurgie und die Sanierung schwierigster Weichteilschäden machten die Klinik überregional bekannt.
Dr. Jüri Toomes brachte als zusätzlichen Schwerpunkt die Mammachirurgie und die kosmetische Gesichtschirurgie ein und führte die Klinik bis 1992.
Rund um die Uhr
Heute werden in der Klinik jährlich 3000 Patientinnen und Patienten operiert, die aus allen Gegenden Deutschlands dem guten Ruf der Klinik folgen. 40 % der Eingriffe erfolgen ambulant. Ein Replantationsteam steht rund um die Uhr zur Verfügung. Der jetzige Chefarzt Dr. Hans Elmar Nick verfügt über eine 6-jährige Weiterbildungsermächtigung zur Ausbildung Plastischer Chirurgen und eine 3-jährige Weiterbildungsermächtigung zur Ausbildung von Handchirurgen.
Endoskopische Diagnostik des Handgelenks und mikrochirurgische Gewebstransplantationen sind Routine. Im weiten Feld der Plastischen Chirurgie von Kopf bis Fuß wird das gesamte operative Spektrum angeboten mit Ausnahme von: Geschlechtsumwandlung, Kiefer- und Zahnbehandlungen sowie der Versorgung frischer großflächiger Verbrennungen.
Das glückliche und eher seltene Zusammentreffen der Gynäkologie, der Onkologie und der Plastischen Chirurgie unter einem Dach ermöglicht die fachübergreifende Behandlung bösartiger Brusterkrankungen im Rahmen des Euregio-Brust-Zentrums. Jeder Patientin kann somit hausintern ein individuelles Behandlungs- und Rekonstruktionskonzept angeboten werden, in das sowohl die langjährige Mammachirurgieerfahrung der traditionellen Plastischen Chirurgie als auch neuere mikrochirurgische und prothetische Möglichkeiten einfließen.
Zukünftig werden sich fachübergreifende Zentren für Hauttumor- und Gefäßerkrankungen - z. B. bei diabetischen Fußveränderungen - entwickeln.
„Ich fahre meilenweit für die Behandlung bei Dr. Nick!“
Dieser Ausspruch einer 56jährigen Wahlkölnerin charakterisiert die Motivation der Patienten, die auch aus entlegeneren Gebieten der Republik dem ausgezeichneten Ruf dieser Schwerpunktklinik folgen. Grund genug für die Redaktion des Hospital-Journals die Patientin nach ihren Beweggründen für die inzwischen fünf stationären Aufenthalte mit unterschiedlichen Indikationen in dieser Klinik zu befragen. Anlässlich des kürzlich überstandenen Eingriffs entstand ein Interview, dass auf Wunsch der Patientin im Hospital-Journal veröffentlicht werden soll. Nach langer Pause geht das Journal nach Auskunft der Redaktion Ende März 2009 in Druck.